Missbrauchte Pflanzen töten Ihre Gäste

Akazien lassen ihre Blätter seit jeher und gerne von Kudu-Antilopen fressen. Die Akazien profitieren davon, dass die Tiere z.B. mit ihrem Dung einen hochwillkommenen Stickstoffdünger hinterlassen; schliesslich können Pflanzen den gasförmigen Stickstoff aus der Luft (80% der Luft sind Stickstoff!) nicht resorbieren, sondern müssen ihn z.B. als wassergelösten Harnstoff aus Harn = Urin über die Wurzeln aufnehmen. Auch auf andere Weise sind die Tiere den Pflanzen durchaus nützlich und daher willkommen.

Die nette Bewirtung mit Blättern hat aber dann ein Ende, wenn die Gastfreundschaft überstrapaziert wird: wenn es dann sein muss, bringen die Akazien die gefrässigen Antilopen einfach um.

Bei der folgenden Geschichte handelt es nicht um eine esoterische Anektdote, sondern um wissenschaftlich abgesicherte Fakten. Ich erlaube mir, aus dem gezeigten Buch den Abschnitt zu zitieren, einschliesslich der Quellenverweise:

Umschlag

 

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Hier meine Kommentare zu dieser Schilderung.

Zitat: „Tanninreiche Blätter sollen den gefrässigen Tieren den Appetit verderben“

  • Tannine verderben nicht (nur) den Appetit: Tannine töten. Je nach Menge.
  • Weintrinker kennen Tannine.  Wie Wikipedia schreibt: „Tannin verleiht dem Wein eine charakteristisch raue Note von Trockenheit, die sogenannte Adstringenz.“
    • Bei übermässige grosser Menge sind Tannine nicht mehr erwünscht und attraktiv, sondern schädlich bis tödlich:
  • Tannine sind Gerbstoffe.  Gerbstoffe gerben. Unter Einwirkung von Gerbstoffen geht die Lebendigkeit aktiver Haut geht in die konservierte und zeitlose Stabilität toten Leders über. Dies gilt auch für die Schleimhäute des Verdauungstrakts: der Verdauungstrakt wird gegerbt.
    • Die sekretorische Funktion der Magen- und Darmschleimhäute wird blockiert: es können keine Verdauungssäfte mehr abgesondert werden.
    • Die resorbierende Funktion der Darmschleimhäute wird blockiert: es können keine Nahrungsbestandteile mehr aufgenommen werden.
  • So verderben die übernutzten Akazien den Antilopen nicht nur den Appetit; sie bringen sie um. Die Antilopen verhungern „mit vollem Magen“!

Zitat: „Wahrscheinlich schmecken tanninreiche Blätter auch anders als Blätter mit einem geringeren Gehalt an Tannin“.

  • Sogar ungeübte Weintrinker können einen tanninreichen (trockenen) Wein mit Leichtigkeit von einem tanninarmen (süssen) unterscheiden.
  • Teetrinker kennen den Unterschied zwischen einem gerbstoffarmen, kurzgezogenen Schwarztee und einem gerbstoffreichen, langgezogenen oder gar abgestandenen Schwarztee.
    • Besonders penetrant sind die Gerbstoffe von maschinell geernteten „Rasenmäher-Tees“: die kleinen Blattstiele, Ästchen und Zweiglein sind besonders gerbstoffreich. So werden billige Beuteltees sehr schnell ganz unangenehm im Geschmack, wenn man sie etwas zu lange ziehen lässt.
  • Die Antilopen hätten mit Sicherheit viel lieber tanninarme Blätter gegessen; diese Möglichkeit war ihnen aber versperrt.

Welche Erkenntnisse ergeben sich für uns Menschen hier und jetzt?

  • „Missbrauchte Pflanzen töten ihre Gäste!“ 
    • wenn sie es schaffen;
    • im Minimum machen sie ihnen das Leben so unangenehm wie irgend möglich.

Wir können davon ausgehen, dass sämtliche Pflanzen – alle auf ihre Art – ihr mögliches Arsenal an biochemische Abwehrsubstanzen mobilisieren. Diejenigen „Adaptone“, welche einer Pflanze zu Abwehr und Kampf zur Verfügung stehen, werden immer dann mobilisiert werden, wenn  eine Pflanze sich nicht wesensgerecht behandelt fühlt.

  • Fühlt?
    Florianne Köchlin betont, dass eine Pflanze über 11 Wahrnehmungsinne verfügt, im Gegensatz zu den lediglich 5 Sinnen, die uns Menschen von der Wissenschaft zugestanden werden.

    • Gehen Sie also davon aus, dass eine jede Pflanze genauestens weiss, was läuft und wer was mit ihr macht.
    • Gehen Sie ebenso davon aus, dass jede Pflanze lebhaft mit anderen Pflanzen darüber kommuniziert, was in ihrem „Revier“ abgeht.

Wie können wir uns das „nicht wesensgerecht behandelt“ vorstellen? (Es hilft, wenn Sie sich mit Ihrer Vorstellung in Pflanzen hineinversetzen können):

  • übernutz, im Sinne der beschriebenen Akazien
  • Anbau an Standorten, die sie nicht freiwillig gewählt haben
  • Massenanbau gleicher Pflanzen = Monokultur
    • Anbau ohne ihre Pflanzenfreunde = Beikräuter (die häufig als Unkräuter verunglimpft werden)
    • Anbau, bei dem ihre Pflanzenfreunde gezielt bekämpft und (mechanisch oder chemisch) ausgerottet werden
    • Existenz, bei der sie von ihren (pflanzlichen und tierischen) Partnern und Nützlingen isoliert werden
    • Anbau, bei dem sie von ihren natürlichen „Sparring-Partnern“  und Evolutions-Helfern (die von uns in kurzsichtiger, oberflächlicher Betrachtung als Feinde bezeichnet werden) isoliert wurden
    • Anbau ohne Bodenkontakt (hors-sol) und ohne umfassenden Naturkontakt (Treibhaus)
  • Zwangsmassnahmen im Rahmen von Anbau, Ernte und Verarbeitung:
    • erzwungenes Doping = leistungsfördernde Düngung
    • Reifungsbeschleunigung mit Ertragserhöhung (z.B. durch gezielten Giftstoff-Einsatz kurz vor der Ernte)
    • maschinelle Ernte
    • industrielle Verarbeitung
  • etc.

Wenn wir Pflanzen als Lebensmittel oder gar Heilmittel nutzen wollen, stellt sich die wirklich existentielle Frage, ob kommerziell verfügbare Pflanzen überhaupt noch als Lebensmittel oder Heilmittel qualifizieren. Oder unterliegen wir nicht schon (sicher bereits 1-2 Generationen lang) der „Rache der Natur“? 

  • Ist die hohe und rasant weiter steigende Zahl der „Nahrungsmittel-unverträglichkeiten“ einfach die logische Folge dessen, dass wir die Nahrungspflanzen wesensgemäss missbrauchen in der Art, wie die heutige Pflanzenproduktion abläuft?
  • Ist die hohe und rasant weiter steigende Zahl der Allergien (z.B. Heuschnupfen) eine Folge dessen, wie „brutal“ wir Nahrungs-, Nutz- und Zierpflanzen behandeln?
  • Ist die abnehmende bis fehlende Wirksamkeit von früher (oder in anderen Regionen und Kulturen) bewährten und hochgelobten Naturheilmitteln darauf zurückzuführen, dass die meisten „Heilmittel“ aus „nicht wesensgerecht genutzten“ Pflanzen hergestellt werden?
  • Kann es sein, dass ein grosser Anteil der modernen chronischen „Zivilisationskrankheiten“ auf diese „Rache der Natur“ zurückzuführen sind? Und dass wir den grössten Teil unserer eskalierenden Krankenkassenprämien aufgrund unserer diesbezüglichen Ignoranz aufbringen müssen?

Wenn wir die Natur gegen uns haben, sieht es schlecht für uns aus.

Hier einige Empfehlungen, wie wir  wesensgerechter mit den Pflanzen umgehen sollten, die wir als Lebensmittel und pflanzliche Heilmittel nutzen wollen:

  • Anbau:
    Wenn Sie die Möglichkeit haben, empfehle ich den naturgemässen Anbau (z.B. im Sinne vom Agrar-Rebellen und eigenständigen „Permakultur“-Pionier Sepp Holzer).
  • Ernte:
    • Ideal wären in kleinen Mengen (dem momentanen Bedarf entsprechend) händisch geerntete Produkte aus dem eigenen Garten.
    • Speziell für Heilkräuter empfehle ich die respektvolle Nutzung von Heilpflanzen an wilden Standorten.  Ernten Sie so, wie Antilopen, Giraffen, oder auch Kinder ernten: mal hier, mal dort, und nie zu viel und zu lange vom gleichen Standort.
  • Verarbeitung:
    Achten Sie auch bei der weiteren Verarbeitung einer Pflanze auf einen respektvollen, wesensgerechten Umgang mit ihr: die Pflanze ist nämlich noch lange nicht tot, nur weil Sie sie abgeschnitten oder ausgerissen haben!
    Verarbeiten Sie sie so, dass Sie die Pflanzen-Natur auch weiterhin nicht vergewaltigen oder beleidigen.

    • orientieren Sie sich z.B. an den Erkenntnissen und Methoden der Firma CERES
    • verzichten Sie soweit möglich auf maschinelle Verarbeitung; arbeiten Sie in der Küche so, wie Ihre Grossmütter und Urgrossmütter gearbeitet haben.
  • Einkauf:
    Wählen Sie Ihre Lieferanten für Nahrungs- und Heilpflanzen so sorgfältig aus, als ob es um Ihr Leben ginge.  Denn ja – es geht um Ihr Leben! 
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