Das autonome Haltungssystem ist ein biokybernetisch funktionierendes System.
- autonom bedeutet: selbständig, eigenständig, automatisch und ohne bewusste willentliche Einflussnahme funktionierend. (Natürlich können wir darüber hinaus auch bewusst unsere Haltung kontrollieren und auf sie Einfluss nehmen. Den grössten Teil der Zeit ist dies nicht der Fall. Es sollte auch nicht erforderlich sein!)
- kybernetisch bedeutet, dass es sich um ein Regelungssystem handelt, bei dem ein Regelungsmechanismus aufgrund von Istwert- und Sollwert-Vergleich dynamisch den bestmöglichen Zuststand aufrechterhält. Weil der Begriff Kybernetik auch für technische, nichtbiologische Steuerungs- und Regelungssysteme gilt, präzisiert die Vorsilbe bio- in unserem Fall die biologische Natur dieses Regelsystems.
Unser autonomes Haltungssystem steht unter der Kontrolle des Gehirns, und zwar von autonom, unbewusst funktionierenden Hirnteilen. Die Istwerte werden von verschiedenen (mehreren!) Sensoren geliefert. Diese vermitteln dem Gehirn Informationen über Raum, Lage und Haltung. Der Sollwert ist als Engramm in Teilen des Haltungsgehirns abgespeichert. Das muskuloskelettale System wird daraufhin vom Gehirn in die Position gebracht, die aufgrund der verfügbaren Istwerte und dem gegenwärtigen Regelkreis-Zustand optimal möglich ist. Jede Abweichung von der Ideal-Haltung (in allen drei Raum-Achsen) ist ein Hinweis, dass das autonome Haltungssystem gestört ist!
Unser autonomes Haltungssystem funktioniert dann einwandfrei, wenn
- wenn das Gehirn einwandfrei arbeitet
- ohne Störungen (wie z.B. Alkohol, Drogen, Medikamente)
- wenn die Informationen der Sensoren (= Ist-Werte) über Raum, Lage und Haltung einwandfrei korrekt sind
- ohne Widersprüche
- ohne Störungen
- wenn das Haltungsengramm (= Soll-Wert) der Idealhaltung entspricht
- ohne angewöhntes Fehlhaltungs-Engramm
- wenn auf der motorischen Seite keine Störungen und Blockaden vorliegen.
Weil das Haltungssystem autonom und biokybernetisch funktioniert, ergeben sich folgenden Erkenntnisse und Erfordernisse für die Haltungskorrektur:
- alle Sensoren für die Raum-, Lage- und Haltungswahr müssen korrekt kalibriert sein, d.h. korrekte, widerspruchsfreie und ungestörte Ist-Werte liefern. (Das ist Schritt A im ABC der Haltungskorrektur.)
- falsche Soll-Werte müssen neutralisiert werden, wenn eine Fehlhaltung so lange angedauert hat, dass das Haltungsgehirn diese Fehlhaltung als „Norm-Zustand“ engrammiert hat. (Das ist Schritt B im ABC der Haltungskorrektur.)
- möglichst alle Störungen auf das Haltungssystem müssen eliminiert werden: (Das ist Schritt C im ABD der Haltungskorrektur.)
- nicht nur Störungen des sensorischen Teils (fällt unter Schritt A)
- sondern auch Störungen des peripheren (Signal-Leitungen) und zentralen (Computer) Nervensystems
- und Störungen auf der motorischen Seite (Muskeln, Skelett)
Wer in der Lage ist, das Haltungssystem als autonomes biokybernetisches System zu verstehen, wird Null Probleme haben, die Posturologie als einzig wissenschaftlich fundierte Grundlage der Haltungskorrektur zu erkennen. Mit diesem Wissen entpuppen sich z.B. physiotherapeutische Ansätze zur Haltungskorrektur als völlig lückenhaft und unzureichend, da sie sich nur auf die motorischen Aktoren / Effektoren des Regelungsmechanismus beziehen. Ursächlich und grundlegend ändert sich nichts am kybernetischen Regelwerk. Ebenso entpuppen sich Übungen und Training und bewusste Haltungskontrolle als wissenschaftlich unvernünftig: auch sie ändern nichts am Regelsystem und seiner Kalibrierung.
Wer in der Lage ist, das Haltungssystem als autonomes biokybernetisches System zu verstehen, erkennt ebenfalls den intimen Zusammenhang zwischen
- eindeutiger und ungestörter Raum-, Lage- und Haltungswahrnehmung, also auch
- perfektes Gleichgewicht
- optimale Körperbeherrschung
- konfusionsfreier Datenverarbeitung im Gehirn
- also Sicherheit
- Freiheit
- Angstlosigkeit
- minimal erforderlicher Tonus der Haltungsmuskulatur
- also freie uneingeschränkte Beweglichkeit
- ohne behindernden, verspannenden Grundtonus
- ohne systematische Übersäuerung der Haltungsmuskeln
- Freiheit von Fehlbelastungen für Gelenke, Bandscheiben, Spinalnerven etc.
- optimale Organfunktionen
- z.B. tiefere Atmung durch freie Rippen-Beweglichkeit
- und bessere Organfunktionen, da die Spinalnerven nicht unter Druck stehen.
- etc.
Das scheint dem Laien auf den ersten Blick erstaunlich. Da wir aber auf Grundlage der Posturologie das gesamte Haltungs-SYSTEM korrigieren, werden alle Aspekte des Systems Verbesserungen verzeichnen: von der sensorischen Seite über den zentralen „Computer“ bis hin zur motorischen Peripherie.
Es gibt wohl keinen vernünftigen Grund, sich bezüglich Haltungskorrektur auf lückenhafte (weder ursächliche, ganzheitliche noch nachhaltige) Methoden zu stützen, wenn die Posturologie und das ABC der Haltungskorrektur eine umfassende und wissenschaftlich fundierte Haltungskorrektur ermöglichen.
Ergänzende Information:
Auch im ABC der Haltungskorrketur haben Muskelkneterei und Knochenschieberei ihren Platz:
- myofasciale Techniken zur allenfalls notwendigen Deblockierung von unfreien Gelenken sind Teil der Methode (und gehören zu Schritt C)
- Breuss- / Dorn- Massage zur mechanischen und energetischen Regulierung fehlstehender und verspannter Wirbel, sowie zur vorübergehenden Befreiung von Beckenschiefständen und Beckentorsionen und funktionellen Beinlängendifferenzen kommen bei Bedarf ebenfalls zum Einsatz.
Werden diese Techniken im Rahmen der biokybernetisch ausgerichteten Gesamtkorrektur angewendet, sind ihre Resultate weitaus besser, und vor allem nachhaltiger! Denn weil das Haltungssystem nicht nach jeder Therapiesitzung in seinen üblichen, falschen Fehlhaltungs-Normalzustand zurückkippt, kann eine einzelne Behandlung mehr bewirken, als sonst eine ganze lange Behandlungsserie zustande bringt.
Zudem sind natürlich auch psychosomatische Zusammenhänge, Auswirkungen auf die Energieflüsse (Akupunkturmeridiane) und Energiezentren (Chakren), Zusammenhänge von Haltung und Ernährung (wie in der F.X. Mayr Diagnostik) Thema bei unserer systematischen Haltungskorrektur. (Sie gehören zu Schritt C).
Die Haltung bildet das Fundament für jede Bewegung. Haltungskorrektur ist also Grundlage für jede Verbesserung von Bewegungsmustern. Wenn wir uns dieser Thematik zuwenden, verlassen wir das ABC der Haltungskorrektur, und widmen uns gewissermassen dem Punkt D – im Anschluss daran.